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Informationen / Veröffentlichungen / Bestimmung der Achslage mit dem Ophthalmometer

Torische Intraokularlinsen:
Bestimmung der Achslage mit
dem Ophthalmometer

Martin Dörner
Bocholt

Zusammenfassung: Mit dem Ophthalmometer ist eine differenzierte Untersuchung der IOL- Rückfläche möglich. Es sind auf dieser Fläche nicht nur Sanson-Purkinje- Bildchen sichtbar, sondern auch Messmarkenbilder eines lichtstarken Ophthalmometers. Folglich sind auch Achslagen eines eventuellen Torus der IOL-Rückfläche messbar. In Mydriasis ist es tatsächlich möglich, die Hornhaut-Achslage mit der IOL-Achslage rückflächentorischer Linsen direkt zu vergleichen. Damit eignet sich die Methode zur einfachen und genauen Achslagenkontrolle torischer IOL in der Sprechstunde. Wünschenswert wäre außerdem eine Integration des Ophthalmometers in das OP-Mikroskop, denn daraus ergäbe sich eine bemerkenswerte Verbesserung für die intraoperative Positionierung torischer IOL. OPHTHALMO-CHIRURGIE 23: 297–304 (2011)

Summary: The Ophthalmometer allows a sophisticated examination of the posterior surface of an IOL. On this surface, the known Sanson-Purkinje images are visible, and additionally, the measuring marks of a light intensive Ophthalmometer can also be seen. Consequently, the measurement of the position of the axis of a possible torus of the posterior IOL surface is made possible. It is actually possible, with dilated pupil, to directly compare the position of the axis of the cornea with the position of the axis of an IOL with toric posterior surface. Therefore, this method is suitable for consultation offering a simple but precise control of the axis position of toric IOLs. An integration of the Ophthalmometer in the surgical microscope would be an even more desirable practise. This would allow a substantial improvement in the operative positioning of toric IOLs. OPHTHALMO-CHIRURGIE 23: 297–304 (2011)

Das Ophthalmometer gehört zur Standardausrüstung des Augenarztes. Mit der Entwicklung programmgesteuerter Hornhauttopographen ist das Gerät zwar etwas aus der Mode gekommen –aufgrund einer neuen, bislang nicht genutzten Einsatzmöglichkeit ist jedoch eine Renaissance abzusehen: Die bekannten Messmarkenbilder bilden sich nicht nur auf der Hornhaut ab (Abbildung 1), sondern auch auf Flächen im Augeninneren, etwa der IOL-Rückfläche (Abbildung 2). Folglich kann man mit einem lichtstarken Ophthalmometer (z. B. mit der sogenannten Zeiss-Bombe; Abbildungen 6, 7) auch eine Achslagenbestimmung an lichtbrechenden Flächen im Auge selbst vornehmen. Die ophthalmometrische Achslagenbestimung ermöglicht die achsengerechte Implantation einer rückflächentorischen IOL mit einer Genauigkeit von 1 bis 2 Grad (Abbildung 8). Darüber hinaus lassen sich mit dem Ophthalmometer in Mydriasis auch andere Phänomene im Augeninneren beobachten, beispielsweise die Reflexe torischer IOL-Vorderflächen, einer Add-On-Linse (Abbildung 4) oder Deformierungen einer IOL-Rückfläche Im Folgenden werden zunächst das Prinzip der ophthalmometrischen Messung erklärt und Praxisbeispiele gezeigt. Anschließend wird die Verwendung des Ophthalmometers im OP in Schritten beschrieben. Schließlich sind typische Befunde im Einzelnen aufgeführt und besprochen.

Prinzip der ophthalmometrischen Messung

Ablauf der Messung
In einem ersten Schritt zur Untersuchung der Hornhautoberfläche (Abbildung1) werden die Hornhaut-Messmarkenbilder fokussiert. Dazu werden Hohlkreuz und Strichkreuz in einem astigmatischen Hauptschnitt ineinander gelegt. Das Strichkreuz steht achsengerecht zum Hohlkreuz. Liegen beim Drehen des Schwenkgriffes die Messmarkenbilder nicht achsengerecht in einer Höhe, besteht ein Astigmatismus (Zeiss Bedienungsanleitung Ophthalmometer 32210 und 32202, Carl Zeiss, Oberkochen G30-162-d). Nur bei Vorliegen eines Astigmatismus kann man mittels Drehen des Ophthalmometer- Griffes zwei Hauptschnitte bestimmen (z. B. 0° und 90°).
In einem zweiten Schritt wird die IOL-Rückfläche (Abbildung 2) in Mydriasis untersucht; in Miosis sind die Messmarkenbilder verdeckt. Fixiert der Patient sicher, wird das Ophthalmometer 3–4 Millimeter weiter als bei der Keratometrie üblich vom Patientenauge weggezogen. Es erscheinen vier blasse und um 180°gedrehte Messmarkenbilder der IOL-Rückfläche. Sie befinden sich nasal sowie leicht oberhalb der Messmarkenbilder der Hornhaut. Falls die IOL-Rückfläche torisch ist, erkennt man beim Schwenken des Ophthalmometer-Griffes auch hier zwei Hauptschnitte (Abbildung 3a und 3c), z. B. 10° und 100°. Eine Koinzidenzeinstellung der Messmarkenbilder am Ophthalmometer entfällt, da keine quantitative Messung in Dioptrien geplant ist; es interessiert stattdessen lediglich die Achsausrichtung. Stimmen die Achslagen (Hauptschnitte) von Hornhaut und IOL nicht überein, ist die IOL ungenau implantiert. Finden sich also für die Hornhaut die Hauptschnitte 0° und 90° und für die IOL-Rückfläche die Hauptschnitte 10° und 100°, dann ist die IOL in jedem Hauptschnitt gleichsinnig um 10° verdreht. Die IOL – mit den Markierungen als Kennzeichnung des flachen IOL-Hauptschnittes – müsste im Uhrzeigersinn nach rechts verdreht werden. Der Drehfehler ist also korrigierbar. Die Achsmarkierungen der IOL sollten dann mit der steilen Hornhautachse übereinstimmen.

bild1 bild2

Abbildung 1: Messmarkenbilder der Hornhaut (Pfeil) am 1. postoperativen
Tag, durch das Okular des Ophthalmometers. Die beiden
mittleren der 4 Hornhaut-Messmarkenbilder sind noch nicht
zur Koinzidenz gebracht. Man erkennt die unscharfen Messmarkenbilder
der IOL- Rückfläche als Schatten versetzt weiter links; in
Abbildung 2 ist das Ophthalmometer auf diese Messmarkenbilder
fokussiert; sie erscheinen schärfer abgebildet als die Messmarkenbilder
der Hornhaut, denn der Salbenfilm stört die Abbildung
von Flächen im Augeninneren weniger.

Abbildung 2: Gleiches Auge wie in Abbildung 1. Fokussierung des
Ophthalmometers auf die IOLRückfläche. Die Messmarkenbilder
der IOL-Rückfläche (Doppelpfeil) sind lichtschwächer, erscheinen
aber schärfer abgebildet als die Hornhautreflexe in Abbildung 1.
Mit Hilfe der hier fokussierten Reflexe der IOL-Rückfläche ist die
Achslagenbestimmung eines IOL- Rückflächentorus trotz Salbenfilm
am 1. postoperativen Tag möglich. Strichkreuz und Hohlkreuz
der fokussierten Messmarkenbilder (IOL- Rückfläche) erscheinen
gegenüber dem Hornhaut-Messmarkenbild um 180° verdreht.

Beispiel aus der Praxis

Komplexe Ausgangssituation
Patientin H. C., 55 Jahre alt, rechtes Auge, Z. n. Katarakt- OP mit Schnittbreite 2,8 mm. Die Hornhaut-Hauptschnitte stehen nicht senkrecht aufeinander. Stattdessen liegt eine Abweichung der beiden Achslagen des Hornhauttorus vom 90°-Winkel von 20° vor (irregulärer Astigmatismus, ein nicht seltener postoperativer Befund).

Messergebnisse
Keratographischer Astigmatismus: RA -1.50 / 11° Autorefraktion: RA +0.25 -0.5 / 168° subjektive Refraktion: RA +0.25 sphärisch IOL Basis Z (Fa. 1stQ) mit +1,5 Dioptrien Torus, Achslage der Strichmarkierungen etwa 87°

Ophthalmometrische Messbefunde
Hornhaut: Hauptschnitte 171° und 101° (20° Abweichung der Hauptschnitte vom90°-Winkel) IOL-Rückfläche: Hauptschnitte 179° und 81° (8° Abweichung der Hauptschnitte vom 90°-Winkel) Tatsächlich beobachtet man die torische IOL durch eine torische Linse, nämlich die Hornhaut. Dies täuscht eine Verdrehung vor, wovon sich jeder leicht überzeugen kann, der durch ein Zylinderglas eine gerade Kante beobachtet. Um den verfälschenden Effekt der irregulär astigmatischen Hornhaut zu eliminieren, haben wir auf die Hornhaut eine harte Kontaktlinse aufgesetzt, und gemessen, wie sich die Achslagen-Abweichung der IOL ändert: Wir konnten nur noch eine Abweichung der IOL-Hauptschnitte vom 90°-Winkel von 3° (gegenüber 8°ohne die Kontaktlinse) beobachten. Die Hauptschnitte der IOL stehen für den Beobachter also fast wieder senkrecht aufeinander (176° und 83°) und die Angst, eine irregulär verkrümmte torische IOL implantiert zu haben, scheint unberechtigt. Die IOL ist etwa 3° im Uhrzeigersinn verdreht. Für die praktische Bestimmung und Korrektur der Achslagen ist diese komplexe Optik bedeutungslos: Gesucht ist ein Kompromiss der geringsten Achsabweichungen der Hauptschnitte von Hornhaut und IOL (in den beiden etwa 90° zueinander liegenden Achsen). Dies kann man intraoperativ durch Drehen der IOL „ausprobieren“. Wenn die Hauptschnitte übereinstimmen, ist die torische IOL perfekt zentriert. Im vorliegenden Fall hätte eine Achskorrektur wahrscheinlich keine messbare Verbesserung gebracht, denn die Refraktion betrug RA = +0,25 sph.

Messung bitorischer und vorderflächentorischer IOL

Intraokularlinsen sind im Design entweder rückflächentorisch, vorderflächentorisch oder bitorisch. Die ophthalmometrische Beurteilung der IOL-Vorderfläche ist schwieriger als die der IOL-Rückfläche, denn die Messmarken (Hohlkreuz und Strichkreuz) werden auf der IOL-Vorderfläche nicht gleichzeitig vollständig sichtbar. Beim leichten seitlichen Auslenken des Gerätes kann man mit etwas Übung die Randbereiche von Hohlkreuz und Strichkreuz zur Achslagenbestimmung simultan darstellen. Bei bitorischen IOL (* in Tabelle 1) ist die ophthalmometrisch gemessene Zylinderstärke der IOL- Rückfläche halbiert, also etwa 2 dpt statt der etwa 4 dpt, gemessen bei einem angegebenen +1,5 Dioptrien- Torus der IOL. Die gemessenen Dioptrienwerte nehmen mit zunehmender Vorderkammertiefe ab



Alcon


1stQ Basis Z


Schmidt
Z-Haptik


Rayner
T-Flex 571T


HOYA


Zeiss


Rayner
T-Flex 623T


Oculentis


Staar


AMO

Tabelle 1: Zurzeit erhältliche torische Intraokularlinsen

rückflächentorisch; optische Achslagenbestimmung möglich


rückflächentorisch; optische Achslagenbestimmung möglich


rückflächentorisch; optische Achslagenbestimmung möglich


rückflächentorisch; optische Achslagenbestimmung möglich


rückflächentorisch


bitorisch; optische Achslagenbestimmung möglich*


vorderflächentorisch, optische Achslagenbestimmung schwierig


vorderflächentorisch, optische Achslagenbestimmung schwierig


vorderflächentorisch, optische Achslagenbestimmung schwierig


vorderflächentorisch, optische Achslagenbestimmung schwierig


bild3

Abbildung 3: Die Messmarkenbilder der IOL-Rückfläche (B bis C)
zeigen eine gegenseitige Bildverschiebung beim Schwenken des
Ophthalmometers180° um die Beobachtungsachse. Patient mit
einer Acrysof toric IOL +1,5. Die Messmarkenbilder der Hornhaut
(A) sind heller als die der IOLRückfläche (rundum angeordnete
Bilder). Wenn man die Messmarkenbilder auf der IOL- Rückfläche
(hier bei B) zur Koinzidenz gebracht hat, erscheinen die Hornhaut-
Messmarkenbilder (A) auseinandergezogen. Die Hauptschnitte
befinden sich bei diesem Patienten zufällig bei 0° und 90°; nur
hier sind die Messmarkenbilder der IOL (B und C) und auch der
Hornhaut (A) achsengerecht in gleicher Höhe angeordnet.

Verwendung des Ophthalmometers im OP

IOL-Positionierung und Achslagenkorrektur
Die IOL wird annähernd achsengerecht nach Vorbefunden von Ophthalmometer, IOL-Master oder Keratograph implantiert. Es ist dabei vor allem darauf zu achten, dass die IOL mit der Markierung auf die steile Achse und nicht um 90° verdreht ausgerichtet wird. Dies würde bei dem Vergleich der Achslagen mit dem Ophthalmometer nicht auffallen, und der Patient hätte einen verdoppelten Astigmatismus. Praktisch ist das Vorgehen so, dass am Ende der Operation das Ophthalmometer über dem Patienten in Position gebracht wird. Der Arbeitsabstand ist dabei kürzer als beim OP-Mikro- Ophthalskop. Trotz vorheriger Blendung durch das OP-Mikroskop kann der Patient die Fixiermarke des Ophthalmometers erstaunlich schnell erkennen. Die Messmarkenbilder der Hornhaut erscheinen dem Untersucher dann zentriert. Die Hauptschnitte der Hornhaut wie auch der IOL werden mit dem Ophthalmometer nacheinander aufgesucht. Das Aufsuchen der Achslagen erfolgt wie zuvor beschrieben durch Drehen des Ophthalmometers. Wenn die Achslagen übereinstimmen, ist die IOL achsengerecht eingesetzt. Ist dies nicht der Fall, so stellt man zuerst die optisch wirksame Achslage der IOL ein (Abbildung 5 B), nähert sich dann etwa 3,5 mm (bei tiefer Vorderkammer weniger) dem Auge und dreht die Hornhautachse ein. Diese Drehung der Ophthalmometers ist das ungefähre Maß für die anschließende Drehkorrektur der IOL. Falls eine Korrektur der IOL-Achslage für notwendig erachtet wird (bei +1,5 dpt Torus zirka 3°, sonst 1°-2°), wird das OP-Mikroskop wieder eingeschwenkt und die IOL entsprechend gedreht. Das Ergebnis kann dann wieder mit dem OP-Ophthalmometer überprüft werden.

bild4

Vorgeschichte:
Die Suche nach der richtigen IOL-Achslage

Vom Autor war eine torische Linse nach den Achslagenmarkierungen
der IOL exakt implantiert worden. Dennoch fand sich eine kleine unerklärbare Restrefraktion von +0,5 -0,75/120°. Bei der Ursachensuche fielen in Mydriasis während der Untersuchung mit dem Ophthalmometer
nach Littmann („Zeiss-Bombe“) weitere, tiefer im Auge gelegene Messmarkenbilder auf. Dabei kam die Vermutung auf, dass es sich um Reflexe der IOL handelt. Die Messmarkenbilder mussten von einer torischen Fläche stammen, denn bei Drehung des Ophthalmometers blieben die Messmarkenbilder nicht in gleicher Höhe. Der gemessene Hauptschnitt des IOLTorus passte in diesem Falle nicht genau zu der vom Hersteller markierten IOL-Achslage. Damit bestand der Verdacht auf eine ungenau hergestellte IOL mit einer verdreht angebrachten Achslagenmarkierung (F in Abbildung 5). Tatsächlich war die optisch wirksame Torusachse (B in Abbildung 5) in diesem Fall um zirka 7° gegenüber der Achslage nach IOL-Markierungen (D in Abbildung 5) verdreht.
Schlussfolgerung: Trotz korrekter Implantation war eine Verdrehung der optischen Achslage von 7° nachweisbar. Da 1° Verdrehung die Wirkung des Torus um 3% schwächt, betrug der Wirkungsverlust des IOLTorus etwa 21%. Die IOL wurde nach der ophthalmometrisch bestimmten, optisch wirksamen Achslage neu positioniert und die Restrefraktion verschwand.
Für weitere Nachforschungen wurde ein Modell gebaut. Dies bestand aus einer Messküvette mit vorne angebrachter Kontaktlinse (E. Emmel, Fa. 1st Q Deutschland, Abbildung 8). Damit wurden mehrere IOL ophthalmometrisch vermessen. Dabei zeigte sich, dass bei einigen torischen IOL unzulässige Abweichungen der Achsmarkierungen von mehr als 3° vorlagen. Ein unabhängiges Institut bestätigte diese Untersuchungen.
Im dem Versuchsaufbau konnten wir alle gefundenen Reflexphänomene des Auges – wie in Abbildung 4 gezeigt– ebenfalls beobachten.  Die Überprüfung durch den Physiker R. Köpke, Dozent an der Höheren Fachschule für Augenoptik Köln, bestätigte die Richtigkeit der Beobachtungen von Existenz
und Lage der Messmarkenbilder von Flächen im Auge.


Abbildung 4: Verschiedenen Messmarkenbilder des Vorderabschnittes
beim pseudophaken linken Auge mit AddOn-Linse und torischer Basislinse (Basis Z Fa. 1stQ); (Foto: Nikon D300S;50mm; 1:1,8 durch das Okular des Zeiss Ophthalmometer H).
A= Hornhaut-Messmarkenbilder, defokussiert
B= AddOn-Vorderflächen-Messmarkenbild, hier nur Hohlkreuz sichtbar
C= AddOn-Rückflächen-Messmarkenbild , auch hier nur das Hohlkreuz
dargestellt
D= IOL-Vorderflächen-Messmarkenbild, sehr stark defokussiert
als Wolke zu sehen. Zum Fokussieren muss das Ophthalmometer
zirka 8 mm näher zum Patientenauge geführt werden.
Das Messmarkenbild verhält sich ähnlich wie B und C: Nur bei
seitlicher Auslenkung des Ophthalmometers werden nacheinander
Hohlkreuz und Strichkreuz sichtbar.
E= IOL-Rückflächen-Messmarkenbilder (torische Basislinse der
AddOn-Linse); sie sind hier zwar fokussiert, aber nicht achsengerecht
in gleicher Höhe – ein Zeichen dafür, dass ein IOLRückflächentorus
vorliegt. Diese Messmarkenbilder ermöglichen die IOL-Achslagenbestimmung.

bild5

Ophthalmometrische Bestimmung der Achslagen


Vorteile
• Hohe Genauigkeit von 1 bis 2° (Abbildung 8)
• Prozessvereinfachung durch direkten Abgleich der optisch wirksamen Achsen
• Zeit- und Kosten-Ersparnis
• Markierung der IOL nicht alleiniger Anhaltspunkt
• Fehlervermeidung: Schiefe Kopfhaltung oder Zyklorotation sind ohne Bedeutung
• Messungenauigkeiten und Übertragungsfehler werden vermieden
• Ophthalmometer sind weit verbreitet
• Der Operateur hat selbst die Kontrolle über die Positionierung der torischen IOL
• Überprüfungsmöglichkeit der postoperativen Achslage in der Praxis
• Hornhautmarker und elektronische Markierungssysteme ggf. entbehrlich
• Auch ein chirurgisch induzierter Astigmatismus wird mit korrigiert
• Ergebniskontrolle in der Praxis durch Überprüfungsmöglichkeit der Linsenoberflächen


Nachteile
• Mydriasis erforderlich
• Kein OP-Keratometer zur Zeit erhältlich
• Lernkurve bei intraoperativer Anwendung eines Ophthalmometers
• Bedingt geeignet für vorderflächentorische IOL

Abbildung 5: Patient aus dem Fallbeispiel „Kasten“. Torische IOL
mit ungenauen Achslagenmarkierungen (F) und daraus folgend
unklarem Refraktionsfehler. Zustand nach Achslagenkorrektur
mit dem Ophhalmometer. Das Foto ist zusammengesetzt aus
zwei direkt nacheinander aufgenommenen Aufnahmen, fotografiert
durch die Okulare von Ophthalmometer und Spaltlampe. Die
eingravierten Torus-Markierungen der IOL (F) sind 7° gegen den
Uhrzeigersinn verdreht. Zuvor war die IOL nach den IOL-Achsmarkierungen
(F) „achsengerecht“ implantiert worden. Die Folge
war ein Refraktionsfehler. Die IOL wurde sodann 7° gegen den
Uhrzeigersinn gedreht. Die Messmarkenbilder der IOL-Rückfläche
(B) zeigen jetzt Strichkreuz und Hohlkreuz ophtalmometrisch
achsengerecht in einer Höhe. Auch bei den unscharf abgebildeten
Hornhaut-Messmarkenbildern (A) kann man trotz der Defokussierung
ahnen, dass auch hier Hohlkreuz und Strichkreuz in einer
Höhe liegen. Damit stimmen die Hauptschnitte von Hornhaut (A)
und IOL (B) überein (ophthalmometrischer Achsabgleich).
A= Hornhaut-Messmarkenbilder, unscharf abgebildet, da der Fokus
zirka 3mm weiter zum Auge liegt.
B= Fokussierte Messmarkenbilder der IOL-Rückfläche und optisch
wirksame Torusachse (Hauptschnitt, rot). Strichkreuz
und Hohlkreuz liegen exakt in einer Höhe
C= Reflex der Spaltenbeleuchtung
D= Lage der markierten IOL- Achse (gelb). Sie liegt zirka +7° verdreht
zur optisch wirksamen Torusachse (B)
E= Vorderkapselrand
F= Achslagenmarkierungen der IOL
G= Spalt zwischen IOL und Pupillarsaum

Ophthalmometer-Befunde

Postoperative Verdrehung der optisch wirksamen Achse
Bei der Fertigung von torischen IOL gilt im Sinne der Industrienorm eine Achsabweichung von 3° als tolerabel
Aus diesem Grunde kann es passieren, dass eine IOL nach Achslagenmarkierungen exakt implantiert wurde, sich aber postoperativ bei der Untersuchung mit dem Ophthalmometer eine Verdrehung der optisch wirksamen Achse von 3° findet. Hätte der Operateur intraoperativ mit dem Ophthalmometer die optisch wirksame Torusachse der IOL bestimmt, wäre er in der Lage gewesen, die IOL genauer – sprich: exakt – zu implantieren. Weicht die optisch wirksame Achse der IOL gegenüber der markierten Achslage mehr als 3° ab, ist die IOL entweder fehlerhaft produziert (markiert) worden oder der Operateur hat die IOL in einer ungenauen Achslage implantiert. Diese beiden Fehler lassen sich am Ende der Kataraktoperation mit dem Ophthalmometer feststellen und können dann korrigiert werden. Eine Genauigkeit von 1-2° kann erreicht werden (Abbildung 8). Der Operateur selbst hat dabei die Kontrolle über die optisch exakte Achsausrichtung.

bild6 bild7

Abbildung 6: Ophthalmometer O/M im OP. Der Schwenkgriff hat an seinem Ende die sogenannte Trommel und den weißen Drehknopf zur Koinzidenzeinstellung.

Abbildung 7: Messkuvette vor dem Ophthalmometer (mit freundlicher Genehmigung durch Ekkehard Emmel, Fa. 1stQ Deutschland)

Fehlendes Messmarkenbild der IOL-Rückfläche
Wenn kein Messmarkenbild zu erkennen ist, und der Patient gut fixiert, dann ist die IOL verkippt. Das Messmarkenbild der IOL- Rückfläche liegt dann nicht an typischer Stelle nasal oberhalb des Hornhautreflexes, sondern wandert entgegen der Kipprichtung vom Hornhautreflex weg. In der abgebildeten Versuchsanordnung mit der Küvette (Abbildung 8) kommt es allerdings bis zu einer Verkippung von 10° zu keiner wesentlichen Änderung (Verdrehung) der beobachteten IOLTorusachse. In der Küvette sind die Messmarkenbilder ab 10° Verkippung nicht mehr achsengerecht angeordnet und erscheinen auch noch zunehmend bogenförmig verzerrt. Bei Patienten konnten wir eine so starke IOL-Verkippung noch nicht beobachten. In der Praxis wird also das Messergebnis der Achslagen nur unwesentlich durch eine Verkippung verfälscht.

Keratometrische Messung der Verformung von IOL
Eigentlich sollte man davon ausgehen, dass ganz normale, also nicht torische IOL, rotationssymmetrisch sind. Dass dies nicht so ist, zeigt die Untersuchung mit dem Ophthalskop mometer. Regelmäßig lässt sich auf einer „sphärischen“ IOL-Rückfläche auch ein Torus messen. Ursache ist eine Verformung der gesamten IOL durch Druck- oder Drehspannung im Kapselsack. Dieses Phänomen hat zwei Konsequenzen: Erstens wird ein refraktionierbarer Astigmatismus induziert, der nach unseren Messungen je nach IOL- Design bis zu 0,5 Dioptrien betragen kann. Zweitens kann das Messergebnis des Ophthalmometers verfälscht werden, wenn eine torische Linse vermessen wird; der scheinbare Torus durch Verbiegung der IOL addiert sich zu dem industriell gefertigten Rückflächentorus. Es ist daher von Bedeutung, dass das Linsendesign der torischen IOL so gestaltet wird, dass die IOL stabil gegenüber Deformierungen durch den Kapselsack ist. Dies ist z.B. bei bestimmten einstückigen, rotationssymmetrischen Acrylatlinsen (Basis Z, Fa. 1st Q) der Fall. Die IOL wird mit und ohne Torus geliefert und neigt nur zu einer sehr geringen Deformierung der Optik, nämlich etwa 0,5 dpt (gemessen mit dem Ophthalmometer im Auge). Bei Silikonlinsen mit Prolene-Haptiken fanden wir dem gegenüber abweichende Werte von über 2 dpt. Würde eine solche IOL als torische Linse gefertigt, wäre eine erhebliche Verfälschung der Achslage, gemessen mit dem Ophthalmometer, die Folge.

bild8

Abbildung 8: 1. postoperativer Tag; Messmarkenbilder einer torischen IOL- Rückfläche mit 1,5 Dioptrien Zylinderwert. Die Achslage wurde zwischen den beiden Aufnahmen lediglich um 1 Grad verändert! Man kann dennoch deutlich erkennen, dass die Messmarkenbilder in der unteren Bildhälfte (Pfeil) in einer Höhe liegen (Pfeil), während sie in der oberen Bildhälfte nicht ganz in einer Höhe liegen.

Kein Torus trotz Implantation einer torischen IOL

Findet sich auf der IOL-Rückfläche kein Torus, obgleich eine torische IOL implantiert wurde, dann muss es sich um eine vorderflächentorische IOL handeln. Die Achslagenmarkierungen torischer IOL sind auf der Seite der Optik eingraviert, auf der sich auch der Torus befindet. Um die Messmarkenbilder auf der Vorderfläche der IOL sichtbar zu machen, muss man das Ophthalmometer etwa 8 mm weiter aus der Keratometer-Position auf das Auge zu bewegen und kann dann einen Achslagenabgleich vornehmen. Das Ophthalmometer muss aber dabei seitlich geschwenkt werden. Bei zu flachen Vorderflächenradien liegen die gemessenen Werte außerhalb des Ophthalmometer-Messbereiches (30-60 dpt). Die Messmarkenbilder stehen dann weit auseinander, so dass eine Beurteilung der Achse nicht mehr möglich ist – ähnliche Verhältnisse erkennt man in der Versuchsanordnung nach Helmholtz mit den weit auseinander stehenden Sanson-Purkinje’schen Spiegelbildchen eines Doppelfensters auf der vorderen Linsenfläche. Es lässt sich auch nur ein Hauptschnitt der vorderflächentorischen IOL bestimmen, denn das Zeiss-Ophthalmometer ist eben nur seitlich und nicht in der Höhe auslenkbar.

Korrespondenzadresse:
Dr. med. Martin Dörner, Augenarzt
Königstrasse 34
46397 Bocholt
E-Mail: This e-mail address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.

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