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Kalahari-Wüste: Hightech im Gesundheitszentrum Borkener Zeitung 30.12.11

VELEN (git). Südafrika – Velen – Südafrika:
 Erst vor wenigen Wochen ist Dr. Ludwig Föcking (65) aus dem „Tswalu Naturreservat“ zurück gekehrt, und über Weihnachten fliegt er wieder hin. Gemeinsam mit dem Bocholter Augenarzt Dr. Martin Dörner hat der Allgemeinmediziner das Gesundheitszentrum in der Kalahari-Wüste (Nordkap- Provinz) erweitert: Sie richteten dort eine augenmedizinische Abteilung ein. Bislang verfügte das „Tswalu Healthcare Centre“ auf rund 350 Quadratmetern Fläche bereits über eine Zahnarztpraxis, eine Innere Abteilung (mit Ultraschallund EKG-Gerät sowie Untersuchungsraum) und einer Apotheke. Die neue Augenstation schließe eine weitere Versorgungslücke, berichtet Dr. Martin Dörner (56). Sehstörungen hätten bislang kaum behandelt werden können. Denn der nächste Augenarzt praktizierte in der rund 180 Kilometer entfernten Stadt Kimberley. Das bedeutete für Patienten: mindesstens eine dreistündige Autofahrt über eine Schotterpiste oder eine Tagesreise mit dem „Kalahari-Ferrari“ – dem Eselskarren. Ein weiteres Problem: Der Optiker habe nur gegen Vorkasse und nicht zuverlässig Brillen geliefert. Die neue Augenabteilung „ist modernst eingerichtet“ mit Geräten, die auch in deutschen Praxen angewendet werden, erläutert Dr. Föcking. Sie ermöglichten eine schnelle und sichere Diagnostik. Dank der Spenden habe man die Ausstattung im Wert von rund 70.000 Euro anschaffen können. Hightec im Gesundheitszentrum inmitten der Kalahari- Wüste: „Der Einsatz von neuen elektronischen Instrumenten hat sich bewährt“, sagt Dr. Dörner. „Strategie und moderne Technik ermöglichen es, dass eine eingewiesene Hilfsperson gleichwertige Untersuchungsergebnisse erzielt wie hier.“ Und: Via Telemedizin kann der Arzt in Bocholt quasi „live“ an einer Augenuntersuchung in Südafrika teilnehmen. Anhand einer Checkliste untersucht die südafrikanische Krankenschwester Betsie Pretorius die Patienten. Sie wurde eigens dafür in der Bocholter und der Velener Arztpraxis geschult. Die Ergebnisse übermittelt sie per Internet an den Augenarzt. Er kontrolliert die Befunde, ermittelt daraus die Brillenwerte und schickt sie weiter an ein Bochumer Unternehmen. Für weniger als zehn Euro fertigt es die Sehhilfen an, die anschließend per Post zum „Schwarzen Kontinent“ reisen. Was sich nicht per Brille korrigieren lässt – etwa Linseneintrübung (Grauer Star) soll demnächst (ab Herbst 2012 in der Augenabteilung des „Tswalu Healthcare Centre“ operiert werden. Doch zuvor müsse noch der Bereich „Diagnostik“ ausgebaut werden, erläutert Dr. Dörner den nächsten Schritt. Ein Operations- Mikroskop haben die beiden Mediziner bereits angeschafft. Die ersten Brillen für die Patienten im „Tswalu Naturreservat“ nimmt Dr. Föcking jetzt mit nach Südafrika. Ebenfalls im Gepäck: ein Photometer – ein mobiles Labor samt Zubehör zur Blutuntersuchung. Außerdem gibt ihm sein Kollege noch einen zweiten Sehzeichen- Projektor mit. Daran müssen die Patienten Bilder erkennen statt Schriften – wichtig für Kinder und Analphabeten. „Wenn man dorthin kommt, ist es wie in einer Familie“, freut sich Dr. Föcking auf seine nächste Südafrika- Reise. „Mich faszinieren immer wieder die Menschen. Sie kommunizieren mit einer Herzlichkeit, die hier weitgehend fehlt. Und sie arbeiten, um zu leben - nicht umgekehrt. Dr. Ludw ig Föckin g (Velen) mit dem neuen Ultraschallgerät im „Tswalu Healthcare Center“ Das „Tswalu Healthcare Center“ in Südafrika Dr. Martin Dörner mit Betsie Pretorius am Phoropter (augenoptische Apparatur zur Brillenglasbestimmung) Kalahari-Wüste: Hightech im Gesundheitszentrum Augenstation im Tswalu Healthcare Center schliesst Versorungslücke